Natur - Am Wegrand beobachtet |
Autor und Copyright: Herbert
Steffny
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mehr von Herbert Steffny zu Schmetterlingen
Distelfalter
- die Marathonflieger unter den
Schmetterlingen
(20.5./5.8.2009)
|
Der Argus- oder Geißklee-Bläuling ist der Schmetterling des Jahres 2008 (26.12.2007)
Männchen des Argus Bläulings
beim Nektar saugen.Das Insekt des Jahres 2008 ist bereits ein Schmetterling, was mich als früheren Schmetterlingsforscher an der Universität Freiburg freut. Nun wurde von der Naturschutzstiftung des BUND NRW und der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen der Schmetterling für das kommende Jahr gekürt. Man wählte den Argus-Bläuling wissenschaftlich: Plebeius argus genannt. Bläulinge heißen erwartungsgemäß so, weil viele Arten dieser Schmetterlingsfamilie auf der Oberseite der Flügel zumindest im männlichen Geschlecht blau gefärbt sind. Der Argus-Bläuling hat eine biologisch interessante Lebensweise, v.a. im Raupenstadium. Der in Südeuropa weiter verbreitete Falter, der bei uns recht selten in ein oder in Süddeutschland auch zwei Generationen im Mai bis Juni und nochmal im Hochsommer auf klimatisch begünstigten Halbtrocken- bis Trockenrasen, aber auch in Moorgebieten fliegt, ist geschlechtsspezifisch unterschiedlich gefärbt. Während die Männchen auffälliger dunkelblau sind, haben die Weibchen mehr tarnfarbene dunkelbraune Flügeloberseiten. Auf der Unterseite haben beide Geschlechter ein markantes Fleckenmuster und einige dunkel metallisch blau glänzende Punkte. Die Falter bevorzugen bei mir in Südbaden als Nektarpflanze Oregano, Hornklee und Goldrute.
Zuckerwasser im Tausch gegen SchutzSpannender ist die Lebensweise der Raupen, die nicht wie normale Raupen nur an Pflanzen (überwiegend an Schmetterlingsblütlern) fressen, sondern im ausgewachsenen Stadium sich in Ameisennestern verpuppen. Sie bilden dabei eine Symbiosen mit bestimmten Ameisenarten zum wechselseitigen Nutzen. Die Ameisen sind sogar begierig auf diesen Gast und schleppen ihn in den Bau, um sich an einem von der Raupe sezernierten süßen Sekret zu laben. Der Falter kann sich unterirdisch im Ameisennest so besser vor Feinden wie Spinnen und anderen räuberischen Insekten geschützt und in Ruhe entwickeln. Für das Überleben dieser Art müssen also mehrere Faktoren zusammen kommen. Halbtrockenrasen sind ohnehin immer seltener werdende Landschaftselemente, die der Aufforstung, Umwandlung zu Wiesen oder als Bauland zum Opfer fallen. Weiterhin müssen neben den Nektar- und Raupenfutterpflanzen auch noch ganz bestimmte Ameisenarten im Biotop vorhanden sein. Häufig verschwinden Schmetterlingsarten mit solch komplexen Biotopansprüchen aus unserer Heimat, weil vielleicht nur ein Glied in der Kette fehlt. Allerweltsarten haben das Problem nicht, weil sie entweder gute Flieger sind und ausweichen oder einfachere Ansprüche haben. Das bekannte Tagpfauenauge beispielsweise frißt an Brennesseln und daran ist in der überdüngten Kulturlandschaft kein Mangel. Ein wirksamer und sinnvoller Artenschutz muss also auch immer ein Biotopschutz und eine Erhaltung komplexer Landsschaftsstrukturen sein. In einer Monokultur überleben nur noch diese Allerweltsarten oder angepasste Schädlinge...
Bedrohter Schmetterling "Krainer Widderchen" ist das Insekt des Jahres 2008 (29.11.2007)
Das Esparsetten Widderchen hat
eine Spannweite von rund vier
Zentimetern, gelblich eingefasste
rote Flecken auf dem Vorderflügel
und eine "rote Banderole" um den
Hinterleib.
Violette oder blaufarbene Blüten wie Flockenblumen und Skabiosen
dienen den Widderchen als
Nektarpflanze, dienen aber auch
Rendezvouz-Platz zur Partnerfindung.
(Foto: Herbert Steffny)Läufer verbringen viel Zeit in der Natur. Da schaut man schon mal genauer, was da links und rechts am Wegesrand kreucht und fleucht. Ich selbst habe früher als Biologe Naturschutz Gutachten erstellt und an der Universität Freiburg im Zoologischen Institut zur Verhaltensökologie von Tagfaltern und Widderchen geforscht. Wenn Sie Glück haben sehen Sie vielleicht im nächsten Sommer eher in Süddeutschland auf Blüten ein recht auffälliges, sogenanntes "Widderchen". Rotschwarz-gehörnte Gesellen
Gerade hat das Berliner "Kuratorium Insekt des Jahres" ausgerechnet einen mir sehr vertrauten attraktiven Schmetterling, eben ein Widderchen, das auch Blutströpfchen genannt wird, zum Insekt des Jahres 2008 gewählt. Das bedrohte Krainer- oder Esparsetten-Widderchen ist ein wärmeliebender, eher seltener Bewohner von Halbtrocken- oder Trockenrasen auf Kalkböden, wo die Futterpflanze der Raupe, die Esparsette und auch der Hornklee wächst, und wo darüber hinaus auch ein genügendes Angebot von Wiesenflockenblumen, Skabiosen und anderen meist violetten oder blauen Blüten vorkommt. Der wissenschaftlich Zygaena carniolica genannte Falter gehört zur Gruppe der Widderchen oder Blutströpfchen, was auf die widderartigen langen kolbigen Fühlern bzw. auf die blutrot-schwarze Farbe hinweist.
Schlaraffenland: Gruppensex mit Nektar!
Die Falter fliegen von Juni bis August träge in ihrem Lebensraum oder sitzen behäbig auf ihren Nektarpfanzen. Manchmal tummeln sich darauf ganze Gruppen, dabei oft auch in Paarung, denn diese Blüten dienen auch als "Rendezvouz-Platz" zur Partnerfindung. Dabei wird zum Gruppen-Sex munter weiter Nektar gesaugt. Das mutet an wie im Schlaraffenland: Sex und Nektar...! Widderchen können sich diese genüßlich, auffällige und behäbige Lebensweise leisten, denn ihre rot-schwarze Färbung ist eine Warnfarbe. Sie sind nämlich durch ihren Blausäuregehalt für die meisten Feinde giftig. Sich gemeinsam auf den Blüten vergelustierend verstärken sie das Farbsignal sogar noch. Blutströpfchen sind ein klassisches Lehrbuchbeispiel für Mimikry, in diesem Falle als Abschrecktracht. Das auffällige Rot-Schwarz signalisiert dem farbsehenden Fressfeind: Achtung, Gefahr, ich bin giftig! So wie die gelb-schwarze Färbung bei Wespen signalisiert: Vorsicht, ich kann schmerzhaft stechen! Fütterungsversuche an Meisen zeigten, dass diese die Widderchen angewidert ausspuckten. Die markante rot -schwarze Farbe prägt sich schnell ein und in Zukunft werden solche Tierchen mit Ekelgeschmack gemieden. Doch ganz ohne Risiko ist das Schlaraffenleben der Widderchen auch nicht, denn auf bzw. unter den Blüten lauern immer wieder Krabbenspinnen, die die zoologischen Lehrbücher wohl nicht gelesen haben, denn diese Spinnen überwältigen auch Blutströpfchen.
Mit den Lebensräumen sterben die Falter
Das Kuratorium Insekt des Jahres hat das besonders prächtige Esparsetten-Widderchen, das man an der "roten Banderole" um den Hinterleib und den gelblich gesäumten roten Flecken auf den Vorderflügeln leicht erkennt, stellvertretend für rund ein Dutzend verwandter und ähnlich aussehender Blutströpfchen ausgewählt. Sie werden wegen des Verschwindens ihrer Lebensräume immer seltener und sind in Deutschland teilweise sogar schon ausgestorben. Die Gründe sind zumeist die Intensivierung der Landwirtschaft - durch Düngung verschwinden mit der Pflanzenvielfalt eben auch die Schmetterlinge. Die Lebensräume Magerrasen und Ödländereien, die Lebensräume der Widderchen, sind zudem durch Verbauung und Aufforstung im Rückgang begriffen. Wer also Schmetterlinge retten will, muss ihre Lebensräume und die Vielfalt der Landschaft bewahren.
Kleinod - Bedrohte Sprache und Tiere - Das Landkärtchen: Falter des Jahres (11.6.2007) Der Begriff "Kleinod" ist das schönste bedrohte Wort der deutschen Sprache.... "Das Wort steht für ein auf den ersten Blick unscheinbares Ding, das jedoch einen hohen persönlichen Wert haben kann" so Bodo Mrozek, Initiator einer bundesweiten Jury für den gefährdeten Wortschatz. Da hätte ich eine kleinodige Idee für Ihren nächsten Dauerlauf in der Natur:
.Landkärtchen (Araschnia levana) Die mehr braun gezeichnete Frühjahrsform fliegt im Mai/Juni
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)"Fliegende Kleinodien" sind beispielsweise Schmetterlinge, so wie der Landkärtchenfalter, der zum Falter des Jahres 2007 gewählt wurde. Er hat seinen Namen von einer landkartenartigen Zeichnung auf den Flügeln. Die braun gefärbte Frühlingsgeneration fliegt zur Zeit im Mai und Juni. Die im Juli bis Mitte August erscheinende Sommergeneration ist dagegen nahezu schwarz mit weißer Zeichnung. Für dieses Phänomen der unterschiedlichen saisonalen Färbung (Saisondimorphismus), ist das Landkärtchen das klassische Lehrbuchbeispiel. Die Ausprägung der unterschiedlichen Formen wird photoperiodisch über die Tages- und Nachtlänge gesteuert. Den Falter trifft man in Gehölznähe, auf Waldwegen und Lichtungen an Hochstauden wie Wasserdost, Gemeiner Distel, aber auch auffällig oft an weißen Blüten wie Wiesen-Bärenklau, Schafgarbe oder auch auf Zwerg-Holunder. Nicht selten findet man das Landkärtchen am Boden sitzend, wo es an feuchten Erdstellen leckt. Die Raupen fressen an Brennnesseln. Warum ich das auf meinem Online-Forum für Läufer schreibe? Nun als Zoologe, der seine Diplomarbeit über Schmetterlinge geschrieben hat, ist das natürlich naheliegend. Und ich wünsche Ihnen als Naturfreund(in) bei Ihrem nächsten sonnigen Dauerlauf in der herrlichen freien Natur, dass Sie vielleicht auch mal einen Landkärtchenfalter auf einer Waldlichtung oder Wiese beobachten. Es sind oft die kleinen (auf den ersten Blick unscheinbaren) Glückserlebnisse, die den Tag schön machen. Ob dieses fliegende Kleinod Ihnen allerdings, wie der Name Landkärtchen verheißt, weiterhelfen kann, wenn Sie sich verlaufen haben?
Hier eine weitere bedrohte Tierart: Der Edel-Hase oder "Pacemaker"
.Die schwärzliche Sommer-Form können Sie von Juli bis August in Wäldern und Parks antreffen.
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)