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Äthiopiens Marathon Macht schlägt zurück - Olympia-Aus für Haile? (5.2.2012)


Riesentalent: Vor drei Jahren war
ich selbst Zeuge, als der damals 18-jährige Ayele Abshero über
15km beim Zevenheuvenloop im
niederländischen Nijmegen nicht
nur die Kenianer, sondern auch
seinen berühmten Landsmann
Kenenisa Bekele abhängte.
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)




Quo vadis Haile Gebrselassie?
Die neue Generation äthiopischer
Marathonläufer nimmt bei der
Jagd auf die Olympiaplätze keine
Rücksicht auf den einstigen Vorläufer.
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)

Ideale Bedingungen - massenweise Bestzeiten

Sah es nach Abschluss der Marathon Weltjahresbestenliste der Männer 2011 noch so aus, als ob die Kenianer nun endgültig auf einer anderen Ebene laufen (siehe Bericht), so schlugen zumindest die Äthiopier in den ersten Wochen des neuen Jahres heftig zurück. Die bei Olympischen Spielen mit viermal Gold so erfolgreiche Marathon Nation wird sich auch 2012 in London nicht kampflos den Kenianern geschlagen geben. Nachdem zunächst Peter Kamais die Saison mit einem Sieg in Xiamen/China am 7.1. für Kenia in 2:07:37 Stunden eröffnete, landeten beim Houston Marathon am 15.1.2012 u.a. die beiden erstplatzierten Äthiopier Tariku Jufar (2:06:51 Stunden) und Debebe Tolossa (2:07:41 Stunden) einen Achtungserfolg. Aber am 27.1. packten in Dubai die nördlichen Nachbarn der Kenianer dann bei idealen, windstillen Bedingungen um 14 Grad Celsius den Hammer aus. Von den 17 Läufern, die in diesem sensationellen Rennen unter 2:10 Stunden blieben, womit der Rekord von 14 Athleten von Frankfurt 2011 unterboten wurde, waren 12 Äthiopier! Bei der Durchgangszeit von 62:22 Minuten bei Halbmarathon waren noch 30 Läufer zusammen. Den Dreifacherfolg vor dem Kenianer Jonathan Kiplimo Mayio (2:04:56 Stunden) führte der 21-jährige Debütant Ayele Abshero mit der Weltklasseleistung von 2:04:23 Stunden an. Der Junioren Cross-Weltmeister von 2009 verbesserte nicht nur den Streckenrekord aus dem Jahre 2008 von Haile Gebrselassie um 30 Sekunden, sondern lief damit auch das schnellste Debüt aller Zeiten auf einem AIMS-zertifizierten Kurs. Hinter Haile ist er damit der zweitschnellste Äthiopier und belegt Platz vier der in Dubai mächtig aufgemischten ewigen Weltbestenlisten. Kennzeichnend für den äthiopischen Erfolg war auch, dass der Rennfavorit und London Marathon Sieger Martin Lel aus Kenia nach 30 Kilometern die Zügel hängen ließ und ausstieg. Dubai rückte durch die sensationellen Ergebnisse auf Platz 3 der schnellsten Marathonkurse bei den Männern auf. Noch führt Berlin mit einem 10er Durchschnitt von 2:04:54,9 Stunden vor Rotterdam (2:05:06 Stunden). Mit 2:05:10 Stunden schob sich Dubai nun vor London (2:05:20,6 Stunden). Die Preisgelder in Dubai sind enorm. Eine Viertel Million für Sieg und eine volle Million für Weltrekord. Für die Scheichs ein Klacks, denn 30.000 Dollar und mehr legt man für einen guten Jagdfalken und für den gesamten Etat des Dubai Marathons bekommt man gerade erst mal ein erstklassiges Rennkamel, das schon mal bis 10 Millionen Euro kosten kann.

Preisgeld Dubai 2012 (US$):

Platz Männer Frauen

1.

250,000

250,000

2. 100,000 100,000
3. 50,000 50,000
4. 25,000 25,000
5. 15,000 15,000
6. 14,000 14,000
7. 13,000 13,000
8. 12,000 12,000
9. 11,000 11,000
10. 10,000 10,000
Summe: 500,000 500,000


Äthiopien dominiert Marathon Weltbestenliste 2012

Das Preisgeld von 250.000 Dollar sicherte sich neben Abshero auch seine Landsfrau und Vorjahressiegerin Aselefech Mergia, die mit 2:19:31 Stunden vor der debütierenden Kenianerin Lucy Wangui Kabuu (2:19:34 Stunden) einen neuen äthiopischen und ebenfalls Streckenrekord aufstellte. Mit Mare Dibaba blieb in 2:19:52 Stunden eine weitere Äthiopierin unter der 2:20 Stunden Grenze, die damit insgesamt nun weltweit 15 Läuferinnen unterboten haben. Bei den Frauen belegen Äthiopierinnen momentan sieben Plätze der Top-10 Jahresweltbestenliste 2012 und bei den Männern sind es sogar neun. Wahrscheinlich wird es bis zum London, Rotterdam und Boston Marathon im April dauern, bis die Kenianer reagieren können. Vorteil für Äthiopien, wenn klug geplant und nominiert wird: Abshero, Sefir und Co. können bis zu den Olympischen Spielen im Sommer länger ausruhen als die kenianische Konkurrenz um Makau, Mutai, Mosop und Kipsang.



Die Phalanx der äthiopischen Marathonläufer von Dubai. Der nächste Schlagabtausch mit
Kenia ist bereits vorprogrammiert. Weltrekord nicht ausgeschlossen... Diesen aussage-
kräftigen Schnappschuss hat mir Prof. Dr. Helmut Winkler zur Verfügung gestellt.
(Foto, Copyright: Helmut Winkler)



Haile wird unter die Räder kommen

Die Chancen für Haile Gebrselassie sich noch Ende Februar in Tokio für einen Olympiastart zur qualifizieren, sinken für mich allerdings gegen Null. Mit 2:05:42 Stunden steht man zur Zeit in Äthiopien nur auf Platz sieben, und ob der Ex-Weltrekordler diese noch erreicht bezweifle ich. Wie ich schon nach seinem Ausstieg beim New York Marathon 2010 kommentierte, hat der 10.000 Meter Olympiasieger und Weltmeister den richtigen Zeitpunkt für ein glorreiches Karriereende damals verpasst. Im April wird er 39 Jahre alt werden und die Zeit spielt gegen ihn und die Youngsters wie Abshero laufen ihm zwangsläufig den Rang ab.

Ergebnisse Dubai Männer:

1.

Biza, Ayele Abshero ETH 02:04:23
2. Kemal, Dino Sefir ETH 02:04:50
3. Guteta, Markos Geneti ETH 02:04:54
4. Maiyo, Jonathan Kiplimo KEN 02:04:56
5. Woldegeberal, Tadesa Tola ETH 02:05:10
6. Dadi, Yami ETH 02:05:41
7. Dawit, Shami Abdullah 02:05:42
8. Edae, Deressa Chimsa ETH 02:05:42
9. Tola, Seboka ETH 02:06:17
10. Adhane, Yemane Tsegay ETH 02:06:29
11. Tsige, Eshetu Wendimu ETH 02:07:28
12. Kipkosgei, Moses Kigen KEN 02:07:45
13. Hayla, Bazu Worku ETH 02:07:48
14. Karinga, Julius KEN 02:08:01
15. Kibiwot, Stephen Kipkoech 02:08:11
16. Mutai, Mike Kiprotich KEN 02:09:18
17. Beyene, Chala Dechase ETH 02:09:22
18. Abduh Bakhet, Mohammed 02:12:14
19. Ramaala, Hendrick RSA 02:12:12
20. Gebre, Mekuant Ayenew ETH 02:12:19
21. Gebrehiwot, Dereje Tesfaye ETH 02:12:34
22. Buta, Urige Arado 02:12:46
23. Theuri, James FRA 02:12:50
24. Birech, Philip Kiplagat KEN 02:13:59
25. Negera, Abebe Dinkesa ETH 02:14:33
 

Ergebnisse Dubai Frauen:

1. Medessa, Aselefech Mergia ETH 02:19:31
2. Kabuu Lucy Wangui KEN 02:19:34
3. Hurssa, Mare Dibaba ETH 02:19:52
4. Sertsu, Bezunesh Bekele ETH 02:20:30
5. Shewaye, Aberu Kebede ETH 02:20:33
6. Cheromei, Lydia KEN 02:21:30
7. Jemutai, Sharon Cherop KEN 02:22:39
8. Tesema, Atsede Baysa ETH 02:23:13
9. Molisa, Mamitu Daska ETH 02:24:24
10. Andersson, Isabella SWE 02:25:41
11. Seyfu, Mula Seboka ETH 02:25:45
12. Ordofa, Shitaye Bedasa ETH 02:27:14
13. Bifa, Yeshimebet Tadesse ETH 02:27:50
14. Naigambo, Beata KEN 02:29:20
15. Abeya, Aheza Kiros ETH 02:33:21


US-Marathon Olympia-Trials - fette Börsen für Keflezighi und Flanagan (14.1.2012)

Bei den US-amerikanischen Olympia-Auscheidungen in Houston gewannen bei den Herren Meb Keflezighi und bei den Damen Shalane Flanagan in ansprechenden Zeiten. Die drei besten bei den Männern und Frauen werden in den USA traditionell für die Olympischen Spielein einem "Stechen" ermittelt, das obendrein mit sehr hohen Preisgeldern versüßt wird. Das bietet den US-Amerikanern befreit von der afrikanischen und internationalen Konkurrenz die Möglichkeit sich ein ordentliches Zubrot zu verdienen. Das führt logischerweise dazu, dass man den Saisonhöhepunkt auf diese "trials" verlegt. Bei uns gibt es solch einen Anreiz und vergleichbare Förderung nicht. Kein Wunder, dass das amerikanische Leistungsniveau nach einer Stagnationsphase nun wieder auf dem hohen Niveau der 80er Jahre angekommen ist. Um mitzulaufen, müssen Männer 2:25 Stunden und Frauen 2:45 Stunden als Vorleistung erbracht haben.

Meb Keflizighi gewann die US-Olympiatrials
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)


Preisgeld USA Olympiaausscheidung


In persönlicher Bestzeit von 2:09:08 Stunden siegte der 2009 New York Marathon Sieger und 2004 Olympia-Zweite Meb Keflezighi vor dem eigentlichen Favoriten Ryan Hall (2:09:30 Stunden), der lange das Tempo bestimmt hatte. Lohn der Mühe waren dann satte 74.000 Dollar! Die Halbmarathon Marke durchlief er in 63:25 Minuten. Dritter Glücklicher im Bunde war nach langer Verletzungspause der 2:08 Läufer Abdi Abdirahman, der in 2:09:47 Stunden ebenso noch die 2:10 Stundengrenze unterbot, wie der zum Schluss noch stark aufkommende Dathan Ritzenheim als Vierter in 2:09:55 Stunden. Das Niveau der Veranstaltung war hoch: 21 Läufer blieben insgesamt unter 2:15 Stunden! Bei den Damen setzte sich in ihrem zweiten Marathon Shalane Flanagan in 2:25:38 Stunden durch. Die 10.000 Meter Olympia-Dritte von 2008 zeigte sich erst in der zweiten Hälfte an der Spitze und verbesserte Ihren Hausrekord um über zwei Minuten. Beide Siegerzeiten waren Trial-Rekord.

Shalane Flanagan siegte bei den Damen
(Foto, Copyright: Herbert Steffny)


Ergebnisse:
 
Männer:

1. Meb Keflezighi 2:09:08
2. Ryan Hall 2:09:30
3. Abdi Abdirahman 2:09:47
4. Dathan Ritzenhein 2:09:55
5. Brett Gotcher 2:11:06
6. Andrew Carlson 2:11:24
7. Fernando Cabada 2:11:53
8. Nick Arciniaga 2:11:56
9. James Carney 2:12:23
10. Jimmy Grabow 2:12:29

Frauen:

1. Shalane Flanagan 2:25:38
2. Desiree Davila 2:25:55
3. Kara Goucher 2:26:06
4. Amy Hastings 2:27:17
5. Janet Cherobon-Bawcom 2:29:45
6. Deena Kastor 2:30:40
7. Clara Grandt 2:30:46
8. Alissa McKaig 2:31:56
9. Dot McMahan 2:32:16
10. Magdalena Lewy Boulet 2:33:42

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